Eine Klage formulieren, einen Einspruch vorbereiten oder auf gegnerische Argumente reagieren: Künstliche Intelligenz erleichtert juristischen Laien die Erstellung von Schriftsätzen. Parteien können dadurch versuchen, Anwaltskosten zu reduzieren oder vollständig zu vermeiden.
Der profil-Titel „KI als Anwalt des kleinen Mannes“ bringt eine wichtige gesellschaftliche Frage auf den Punkt: Kann KI den Zugang zum Recht verbessern? Unterstützung beim Ordnen von Unterlagen und beim verständlichen Formulieren eigener Anliegen bietet jedenfalls Chancen. Ein juristisch überzeugender Text gewährleistet allerdings noch keine erfolgreiche Prozessführung.
Selbstvertretung hat rechtliche Grenzen
Ob Parteien selbst vor Gericht auftreten dürfen, hängt vom jeweiligen Verfahren ab. Eine gesetzlich vorgeschriebene anwaltliche Vertretung ersetzt KI nicht. Wo Selbstvertretung zulässig ist, bleibt die Partei für ihre Eingaben und deren Folgen verantwortlich.
Sie muss Fristen einhalten, passende Anträge stellen, Beweise anbieten und gerichtliche Aufträge verstehen. Auch in der Verhandlung muss sie erklären können, was sie mit ihrem Schriftsatz tatsächlich behauptet und erreichen möchte.
Kostenloser Schriftsatz, kostenpflichtiger Prozess
Der Verzicht auf einen eigenen Anwalt beseitigt das Kostenrisiko nicht. Gerichtsgebühren, Sachverständigenkosten und bei Unterliegen die ersatzfähigen Kosten der Gegenseite können weiterhin anfallen.
Eine falsche KI-Auskunft kann dazu führen, dass eine aussichtslose Klage erhoben oder ein sinnvoller Vergleich abgelehnt wird. Eine gezielte anwaltliche Prüfung von Erfolgsaussichten, Anträgen und Kostenrisiken kann deshalb helfen, vermeidbare Nachteile zu verhindern.
Erfundene Quellen beschäftigen bereits Gerichte
Das Amtsgericht Köln beanstandete im Beschluss vom 2. Juli 2025, 312 F 130/25, zahlreiche erfundene Fundstellen und Aussagen in einem, von einem Anwalt eingebrachten, familienrechtlichen Schriftsatz. Nach Einschätzung des Gerichts waren diese offenbar mittels KI erzeugt worden. Solche Ausführungen erschweren die Rechtsfindung und führen unkundige Leser in die Irre.
Das Beispiel zeigt: Entscheidungen und Literaturstellen müssen im Original überprüft werden. Selbst eine tatsächlich existierende Quelle kann falsch wiedergegeben oder auf einen unpassenden Sachverhalt übertragen werden.
Neue Aufgaben für Anwälte und Richter
Anwälte müssen zunehmend KI-Entwürfe ihrer Mandanten prüfen und erklären, weshalb scheinbar eindeutige Antworten rechtlich nicht tragen. Die Kontrolle umfangreicher Texte kann erhebliche Arbeit verursachen.
Gerichte können durch gut strukturierte Eingaben entlastet werden. Ungeprüfte Schriftsätze mit Wiederholungen oder erfundenen Belegen erhöhen hingegen möglicherweise den Prüfungsaufwand. Maßgeblich bleibt die inhaltliche Qualität.
Datenschutz und Nachvollziehbarkeit bleiben entscheidend
Vertrauliche Prozessunterlagen und personenbezogene Daten gehören nicht ungeprüft in externe KI-Dienste. Aus forensischer Sicht müssen Tatsachenbehauptungen auf Originalunterlagen zurückführbar bleiben.
KI kann den Zugang zum Recht erleichtern. Verantwortbare Nutzung verlangt jedoch Quellenprüfung, Datenschutz und ein realistisches Verständnis der eigenen Prozessrisiken.

